Mittwoch, 28. Mai 2014

Schreibwerkstatt  - ein satirisches Hörspiel (Teil 1)



In mehreren Folgen werde ich hier das satirische Hörspiel „Schreibwerkstatt“ veröffentlichen.

Schreibwerkstatt — ein satirisches Hörspiel
von Friedrich Wulf

Figuren
Frau Schwanenfeder
Heinrich Heine
Ludwig Droste
Anette v. Droste-Hülshoff
Friedrich Nietzsche
Grimm (einzelne Figur, die alles zweimal sagt, nicht alles aber immer wieder)
Johann Wolfgang von Goethe
Doktor Benn
Kammermusik unter der Ansage
Geräusche einer Menschengruppe, Schritte, unverständliche Konversation, ein bisschen Husten, verschwindet schnell, während Frau Schwanenfeder zu sprechen beginnt.
Schwanenfeder: (an die Gruppe gerichtet) Guten Tag, meine Herren, ich heiße Sie willkommen, herzlich willkommen zur Schreibwerkstatt am Westfalen-Kolleg. Mein Name ist Antje Schwanenfeder. (Pause) Und ich muss sagen, die fünf herausragenden Manuskripte auszuwählen, war keine Kleinigkeit, aber es war dieses Mal keine vergebliche Liebesmüh. Denn mehr oder minder besitzt jedes von mir akzeptierte Werk unverkennbar künstlerische Qualitäten. Ich will mich gar nicht rühmen, aber mit Recht kann ich behaupten in den letzten Jahren einige Talente entdeckt zu haben. Und ihre Förderung gehört mit zu meinen erfreulichsten Lebenserfahrungen. Der Weg zu Ruhm und Reichtum windet sich wie eine nervöse Natter, aber ich bin sicher, meine Schützlinge werden das Ziel erreichen. Das gilt gewiss für Regina Prengel, deren Gedichtband „Gänseblümchen auf meiner Zimmerdecke“ kürzlich im Regina Prengel Verlag erschienen ist. Nobbi Grunzigs Stück „Gott ist mausetot“ wurde letztes Jahr im Kloster zu Dalheim aufgeführt. (unverständliches Grummeln) Wie bitte, Herr Nietzsche? Nichts? Gut! Drewermann war auch da — im Kloster zu Dalheim. Und Hubert Humbucks Roman „Liebe ohne Lenden“ kommt im Herbst heraus, wenn alles gut geht. Ach ja, könnten wir in die Zukunft schauen, meine Herren, aber nein, besser doch wohl nicht, und doch doch, wir wollen es hoffen, dass Ihre Namen in einer noch ungewissen Zukunft neben den genannten rangieren werden. Nun also, ich bin sicher, in diesem Kurs werden Sie die Grenzen Ihres kreativen Potenzials hinausschieben können, um dann mit Schwung an Ihre Schreibtische zurückzukehren.
Grimm: Ich darf wohl für uns alle sprechen, für alle sprechen, Frau Schwanenfeder, ich bin mir ganz sicher, so wird es sein, wird es sein.
Schwanenfeder: (dankbar für die Rückmeldung) Vielen herzlichen Dank, Herr Grimm, Grimm. Nun, Sie alle haben, so denke ich, Kopien der Werke ihrer Kollegen erhalten, damit wir sie zusammen diskutieren können, um Ermutigung und Unterstützung freigiebig auszuteilen und um von den Vorschlägen zu profitieren.
(Ein mittellautes Gemurmel des Unmuts der Anwesenden)
Schwanenfeder: Ich denke, dass alle anwesend sind. Wo ist meine Liste?
(Sie blättert vernehmlich durch ihre Papiere, räuspert sich laut und liest langsam vor.)
Schwanenfeder: Herr Heinrich Heine.
Heine: (rheinländischer Tonfall) Hier, Frau Schwanenfeder.
Schwanenfeder: Guten Tag, Herr Heine. (zu den anderen) Wie Sie alle wissen, hat Herr Heine sich an einem Gedichtlein versucht. So Zeugs über den Rhein, eine Blondine und die Gefahren der Schifffahrt — wohl so Impressionen aus seiner rheinischen Heimat, denke ich.
Heine: (murmelnd) Rheinische Heimat, haha, wohl dem, der jetzt noch Heimat hat.
Schwanenfeder: Wie? Was? Müssen immerzu reimen diese Dichter. Jaja, in Kürze werden wir Ihre Blondine auseinandernehmen, Ihr Gedichtchen, in dem ein halluzinierender Schiffer, wenn ich so sagen darf, sich in die Fluten stürzt.
Heine: Wie? Wie bitte?
(Heines Fragen überhörend, mit ihren Blättern raschelnd, fährt sie fort)
Schwanenfeder: Herr Ludwig Droste (Pause) Herr Droste? (Pause) Sind Sie anwesend Herr Droste?
Droste: (weibliche Stimme, die sich durchgehend bemüht männlich tief zu sprechen) Anwesend.
Schwanenfeder: (überrascht von Drostes weiblicher Erscheinung) Oh! (sich fassend)
Seien Sie herzlich willkommen, Herr Droste. Seit Jason King habe ich keinen Mann in solch einem bezaubernden Rüschenhemdchen gesehen und Ihr Beinkleid, ganz apart. (an die anderen gerichtet) Herr Droste ist eine schriftstellerische Hoffnung und hat uns seine Novelle „Die Judenbuche“ mitgebracht, ein blutrünstiges Werkchen, von dem ich hoffe, dass Sie sich durchbeißen konnten. Ich will das schon mal vorwegnehmen, Herr Droste, eine Eiche, meine ich, wäre als Dingsymbol für das unheilvolle Geschehen sicherlich passender gewesen. Nur so ein Gedanke, Herr Droste.
Heine: (grummelnd) Man macht aus deutschen Eichen keine Galgen für die Reichen.
Schwanenfeder: Wie bitte, schon wieder am Reimen Herr Heine? Wir kommen auf Sie zurück, ein bisschen Geduld. Und nun zu Herrn Nietzsche.
Nietzsche: (scharf und nachdrücklich mit sächsischem Akzent) Ja und also!
Schwanenfeder: (überrascht vom scharfen Tonfall) Grüß Gott, Herr Nietzsche.
Nietzsche: (schneidend) Ist tot.
Schwanenfeder: Jaja, wie bitte? Herrn Nietzsches „Zarathustra“ ist ein bizarres Machwerk, ich denke, Sie werden mir da zustimmen…
Nietzsche: (scharf, zischend) Bizarr, Machwerk?
Schwanenfeder: Und solch ein hintergründiger Titel. Nicht wahrscheinlich, den flanierenden Passanten dafür in den Buchladen zu locken. (Sie raschelt wieder mit den Papieren) Herr Grimm.
Grimm: (zurückhaltend, fast leise, dafür einen Teil wiederholend) Hier bin ich, bin ich. Guten Tag Frau Schwanenfeder.
Schwanenfeder: Herr Grimm hat uns eine Sammlung niedlicher Geschichtchen mitgebracht über Däumlinge, Hexen und Zwerge und Zaubertische und ein Schneiderlein kommt wohl auch vor. Allerliebst. Sie bieten einen selten-seltsamen Blick in die Seelen und Herzen kleiner und großer Kinder. Ganz famos!
Grimm: Gewiss, gewiss. (an die anderen) Ich freue mich mit Ihnen in diesem Seminar…
Schwanenfeder: (räuspert sich, raschelt) Besonders aus der tiefenpsychologischen Perspektive des Wiener Genies geben Ihre Geschichtchen Anlass für Ahnungen, sehr, seherisch-tiefe Ahnungen. Man denke nur an den Wolf und an diese Lolita mit dem roten Käppchen.
Grimm: Wiener Genie? Und wer ist diese Lolita?
Nietzsche: (fauchend) Wiener Quacksalber, Scharlatan, Spökenkieker, furchtbarer Simplificateur und megalomaner Dummkopf.
Fortsetzung folgt



Kommissar Max Berger muss einen ersten Mord lösen, zu dem es viele Zeugen, aber weder Spuren noch Motive gibt. Professor Liedvogel ist während einer Vorlesung erschossen worden. Der zweite Mord ist grässlicher als der erste und führt Max Berger und seine Assistentin Clarissa Klabund in die Skinhead-Szene. Wer grotesken Humor mag, der wird schmunzeln, wenn nicht lachen über den halbverrückten Buchhändler Bernhard Schwarz.