Samstag, 28. Juni 2014

Schreibwerkstatt  - ein satirisches Hörspiel (Teil 11)

Schreibwerkstatt — ein satirisches Hörspiel (Teil 11)
Grimm: (fährt ruhig und unbeirrt fort) Immer wenn Ihr Zarathustra zu seinen Predigten ansetzt, haben wir, meine liebe Frau und ich, uns vor Lachen aufgebäumt, vor Lachen geprustet — wie übrigens auch die Kleinen, Fin Alexander und Lena Miriam. Selbst Baby Ben Elton gurgelte vor Vergnügen, strampelte mit den Beinchen in einem Anfall von Übermut über Ihren Übermenschen. Eine glückliche Familienszene, es hätte Ihr Herz gerührt, Herz gerührt. Ja, Sie haben eine einzigartige Gabe, Herr Nietzsche.
Nietzsche: Und das mir! Mir das! (Er knurrt vor Wut, dann vor Schmerz)Mein Kopf, ah, mein Kopf. (Stöhnend, Nietzsche bricht zusammen)
Schwanenfeder: Er ist ohnmächtig. Herr Nietzsche! Herr Nietzsche! (Nach einigen Sekunden, kommt Nietzsche wieder zu sich) Er lebt wieder, Gott sei Dank!
Nietzsche: (Knurrend) Wo ist das Schwein? Was ist passiert?
Schwanenfeder: Sie, sind ohnmächtig geworden. Geht’s wieder, Herr Nietzsche?
Nietzsche: Gut, ja gut. Niemals besser. (düster, argwöhnisch) Was ist passiert, während ich, mh, nicht da war? (an v. Droste-Hülshoff gerichtet)Warst du mir untreu?
Droste: (überrascht) Was?
Nietzsche: Ich seh’ es dir an, die kalte Geilheit in deinen Augen. Du hast es mit Grimm getrieben, stimmts?
Grimm: (unaufgeregt, ruhig) Frau v. Droste-Hülshoff war ganz Dame, ganz Dame, während der gesamten Zeit Ihrer Ohnmacht, mein Herr.
Droste: Danke, Herr Grimm. (bestimmt) Herr Nietzsche, ich verkünde hiermit meine Entlobung. Wir sind, Herr Nietzsche, geschiedene Leute.
Nietzsche: Das ist unwürdig, das mir. Was mich nicht umbringt, macht mich größer. (Er grummelt kaum verständlich) Es gab Ewigkeiten, in denen ihr nicht wart; wenn es wieder mit euch vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. (Pause)
Schwanenfeder: (so heiter, wie es die Umstände erlauben) Nun, ich denke wir sollten voraneilen. So wenig Zeit. Herr Goethe, lassen Sie uns über ihren Faust sprechen.
Goethe: Nein!
Schwanenfeder: (gequält) Nein?
Goethe: (leichter, aber deutlicher hessischer Akzent) Nein, ich möchte nicht darüber schwadronieren, Frau Schwanenfeder. Faust gibt es nicht mehr. Ich habe das Manuskript verbrannt und ich möchte Sie alle bitten, dass Sie Ihre Kopien ebenfalls verbrennen.
Schwanenfeder: (schockiert) Aber warum, Herr Goethe?
Goethe: So schmerzlich es ist, aber ich bin zur Überzeugung gelangt, mein Faust ist ein alberner Fehlgriff. Für alles, was ich je geschrieben und noch schreiben werde, habe ich nichts als Verachtung, tiefe Abscheu. Alles, was entstand, empfinde ich als Schande. Mich ekelt vor meinen Machwerken. Ich werde nichts mehr schreiben, nie mehr!
Schwanenfeder: (äußerst betroffen) Herr Goethe!
Goethe: Zuerst wollte ich mich töten, ganz in romantischer Manier, die so beliebt in Deutschland seit meinem Werther. Fand aber in den bauschigen Falten meines Mantels die Pistole nicht. Aber nein, dachte ich, ich werde mein Leben nicht beenden, ich werde es verändern, komplett umkrempeln. Ich werde in der Lüneburger Heide Schnucken hüten und mir zur Seite Barzel mein treuer Hund. (kleine Pause) Andererseits sehe ich mich auch als Wanderer für die Wahrheit durch pittoreske Landschaften wandeln. Sehe mich meist von hinten auf einem Vorgebirge stehend und blicke in ein Meer von goldenen Wolken. Über mir der Schrei eines Adlers. (wie zu sich selbst)Keine leichte Entscheidung, meine Freunde.
Schwanenfeder: Aber warum?
Fortsetzung folgt
Curry, Senf und Ketchup (Krimi)
Ein Universitätsprofessor wird ermordet, ein Neonazi und eine Politikerin. Was verbindet die drei? Und ein Fußballtrainer wird verdächtigt.
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