Dienstag, 3. Juni 2014

Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 4)

Heine: Welch eine trübe und trostlose Vorstellung, Herr Nietzsche.
Nietzsche: Ach liebes Heinchen, was wissen Sie denn? Der Mann ist feige vor allem Ewig-Weiblichen: das wissen die Weiblein. — In vielen Fällen der weiblichen Liebe, und vielleicht gerade in den berühmtesten, ist Liebe nur ein feinerer Parasitismus, ein Sich-Einnisten in eine fremde Seele, mitunter selbst in ein fremdes Fleisch — wie immer auf des Wirtes Unkosten!
Schwanenfeder: Herrn Nietzsches Meinung ist wohl doch ein bisschen zu radikal. Die Zeichen der Zeit wohl nicht mitbekommen, Herr Nietzsche?
Aber haben Sie nie daran gedacht, Herr Heine, dass die Schifffahrt nicht Ihr eigentliches Thema ist? An würdigeren Themen herrscht doch nun wirklich kein Mangel — die Welt des Sports, der Mode oder was die Welt sonst noch so zusammenhält. Herrn Nietzsches Ansichten sind …
Heine: Nietzsches Ansichten sind die eines syphilitischen Menschenverächters.
Nietzsche: (In Fahrt kommend) Läppisch, Ihr Gedichtchen, Heine. „Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein.“ Klischeehafte Abgeschmacktheit! Und das hier setzt der Albernheit die Krone auf: „Ich glaube, die Wellen verschlingen /Am Ende Schiffer und Kahn; / Und das hat mit ihrem Singen / Die Loreley getan.“ Mann, Sie haben doch keine Ahnung, dort der Gipfel im Abendsonnenschein, dieser Abklatsch eines Klischees und am Ende der Tod im Wellenschlund. Wer meiner Art ist, dem ist der Gipfel nicht bloßer Gipfel und der Abgrund nicht bloßer Abgrund. So spricht mein Zarathustra: „Jetzt erst gehst du deinen Weg der Größe! Gipfel und Abgrund — das ist jetzt in eins beschlossen!“ Sie Bagatellheini, Sie! Haben Sie das Thema „Gipfel und Abgrund“ von mir geklaut, ist doch kein Zufall das!
Heine: Was, ich stehlen, von Ihrem Großmaul Zarathustra? Eine lächerliche Anschuldigung. Warum? Erstens bin ich ein Originaldichter und zweitens, Ihren Sprüche klopfenden „Zarasalbader“ kann doch kein Mensch bei gesundem Verstand lesen. Fragen Sie, wen Sie wollen.
Nietzsche: Ich wiederhole, damit man die poetische Armut wirklich einmal hört: „Ich glaube, die Wellen verschlingen / Am Ende Schiffer und Kahn; / Und das hat mit ihrem Singen / Die Loreley getan.“ Welch ein alberner Einfall! Ein Liedchen von einem Fabelwesen gesungen, bringt keine Schiffe zum Untergang. Wellen und Riffe sind Naturerscheinungen und also ganz gleichgültig gegen menschliches Bangen und Beten, die Naturgewalten sind nichts als ein Teil im notwendigen Wellenspiel des Werdens.
Heine: Ich lasse mir die Natur nicht so nihilistisch verunglimpfen. Die Natur hat all die Unschuld eines Babys — sie ist Wonne, sie gibt Inspiration, sie ist das Sinnbild der unendlichen Seele. Ich spreche von Regenbögen, von Sonnenuntergängen und Sternennächten und Morgenröten mit Vogelgezwitscher.
Nietzsche: Ach Sie romantischer Papperlapappheini. Sie schwärmen wie ein Mädchen von Tautropfen an Stängeln, das mit offenem Maul auf einer Wiese liegt und in die Wolken starrt. Herr Heine, Sie leiden an der Verarmung des Lebens, Sie wollen Ruhe, Stille, glattes Meer, Sie suchen Erlösung von sich im religiösen Rausch, in der Betäubung, im Wahnsinn wie alle Romantiker.
Heine: (geht auf Nietzsche los) Sie nihilistisches Monster, wie wäre es mit einem romantischen Nasenstüber … (Geräusche von aufspringenden Menschen, Stühle fallen um)
Schwanenfeder: (klatscht in die Hände) Aber meine Herren, wer wird denn gleich in die Luft gehen. Kaffeepause. Ein paar Minuten zur Besinnung. Kaffee und Streuselkuchen, hier bitte, bitte hier entlang.
(Abflachen der Geräusche, dann das Klingeln von Tassen und Tellern. Unverständliche Konversation, die schnell verständlich wird.)
Fortsetzung folgt
Die letzte Lektion (Krimi)
Lehrer werden in die ewigen Ferien geschickt.
Ein Krimi mit Humor. Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden. Und wer hätte nicht einen Pauker im Keller seiner grausamsten Fantasien?
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