Donnerstag, 5. Juni 2014

Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 5)

Schwanenfeder: Ein Stück Streuselkuchen, Herr Goethe?
Goethe: (nachdrücklich) Nein, nein danke!
Pause
An einer anderen Stelle
Grimm: Kaffee, Herr Heine? Kaffee?
Heine: Ja, gern.
Grimm: Milch, Milch?
Heine: Nein, danke.
Grimm: Ein hysterischer Kerl, dieser Nietzsche.
Heine: Überschätzt sich und seinen Zarathustra über die Maßen. Dieser gesicht- und gestaltlose Unhold und Flügelmann Zarathustra mit der Rosenkrone des Lachens auf dem Haupt und seinen Tänzerbeinen ist keine Schöpfung, er ist Rhetorik, erregter Wortwitz, gequälte Stimme und zweifelhafte Prophetie, ein Schatten von hilfloser Grandezza, oft rührend und allermeist peinlich — eine an der Grenze des Lächerlichen schwankende Unfigur.
Grimm: Tiefe, Tiefe hat er ja der Deutsche, aber gepaart mit Humor und Leichtigkeit, fast etwas Unmögliches für einen Deutschen, Herr Heine. Zucker?
Heine: Ja bitte, sieben Stücke.
(Zuckerstücke plumpsen in den Kaffee.)
Heine: (schlürfend) Na ja, nicht zu vergleichen mit dem Kaffee, den mir meine Mathilde braut. Sind Sie verheiratet, Grimm?
Grimm: Oh ja, meine Frau Dorothea ist reine Inspiration, ist Halt und Märchenfee für mich. Und wie sie sich um meinen Freund von Platen kümmert, mit welchem Verständnis, nachdem ihm so mitgespielt wurde.
Heine: Vielleicht sogar mit zu viel Verständnis?
Grimm: Aber nein Herr Heine, von Platen ist mir ein warmer Freund, wirklich warmer Freund.
Heine: Sie meinen, er ist?
Grimm: Ja, er ist.
(Sie nehmen jeweils ein Stück Kuchen, trinken und kauen.)
Heine: Welch ein abgestumpfter Haufen hier heute. Ehrlich gesagt, Grimm, ist mir die Gesellschaft von Dichtern herzlich zuwider — sind doch recht eigentlich theatralische, eitle, verstädterte Schnapsnasen. Meinetwegen eine Gruppe von Verlegern, sind immer gut für verwertbare Beobachtungen. Oder eine Spelunke voller Halunken — herrlich, da sind Weisheiten zu holen, kannst du leicht zu einem Versepos verweben. Oder ein einsamer Fichtenbaum auf kahler Höh. Darin steckt eine eigene Philosophie für alle, die schauen können und zuhören und fühlen. Aber Schriftsteller … (er seufzt)
Grimm: Warum sind Sie denn dann überhaupt gekommen, gekommen, Herr Heine?
Heine: Nun ja, ich bin ein wenig beachtetes Genie, Grimm. Mein Agent bestand darauf. Er hofft, dass ich mich „vermarktbar“, seine Worte, mache, was so gar nicht meinem Ethos entspricht.
Grimm: Bei wem sind Sie?
Heine: Mein Agent? Helen Buffo von Humbert und Humbert in Hamburg. Und Sie?
Grimm: Ernst Hackmacher. Er ist bei Knappe und Ritter. Davor war ich bei Theo Redepennig ein liebenswürdiger Mann, aber solch ein Pessimist, solch ein Pessimist.
Heine: Ist Helen auch. Ich meine, ich kann ihre Position verstehen. Sterne und Äuglein und Mondglanz und Sonnenschein, wie sehr das Zeug auch gefalle, sagt sie, würde doch noch lang keine Welt machen.
Grimm: Ich bewundere Ihre „Loreley“, „Loreley“. Haben Sie mehr davon?
Heine: Hunderte von Liedern. Mehr als tausend Sonette allein über spirituelle und geographische Themen.
Grimm: Ah ja. Nietzsche sprach äußerst flegelhaft, äußerst flegelhaft über Ihr Gedicht.
Heine: Ganz richtig. (mit Verachtung in der Stimme) Solche vagabundierenden Gesellen kann ich kaum verknusen. Soll immerzu unterwegs sein der Strolch. Nizza, Venedig, Sils Maria, Turin Portofino. Ich meine, ich habe eine Reihe von Reisebildern verfasst, aber man hat doch ein Zentrum und sagt über die liebe Heimat nicht: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“
Grimm: Das hat er gesagt?
Heine: Trau ich ihm zu, ihm trau ich das zu, einem der sagt: „Deutschland, Deutschland über Alles — ist vielleicht die blödsinnigste Parole, die je gegeben worden ist.“
Grimm: Hat er das auch gesagt? Aber gut gesagt nicht, nicht wahr?
Heine: Hat er und er hat auch gefragt: „Wie viel verdrießliche Schwere, Lahmheit, Feuchtigkeit, Schlafrock, wie viel Bier ist in der deutschen …“
(Seine Stimme wird leiser und wir sind woanders.)
Fortsetzung folgt
Die letzte Lektion
Ein Krimi mit Humor. Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden. Und wer hätte nicht einen Pauker im Keller seiner grausamsten Fantasien?
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